Jascha Nemtsov: Kamocha – „Er ist wie du“

ahavta heißt „Du wirst lieben“. 3. Mose 19,18 steht geschrieben: „Du wirst lieben deinen Nächsten wie dich selbst“.

Hillel (1. Jahrhundert v.u.Z.) gibt dieses Gebot mit den Worten wieder: „Das, was dir verhasst ist, das füge deinem Nächsten nicht zu“, und er ergänzt: „Das ist die ganze Tora“. Jesus sagt dazu – in Verbindung mit dem gleichfalls mit dem Wort we-ahavta beginnenden Gebot, Gott zu lieben: „Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ (Markus 12,31).

Im Hebräischen hat das Gebot nur drei Worte: we-ahavta le-reacha kamocha. Vielleicht sind gerade deshalb die Auslegung und das Tun dieses Gebotes so schwer… Bei ahavta – Begegnungen stellt Prof. Dr. Jascha Nemtsov jetzt seine Gedanken zum biblischen Gebot der Nächsten- und Fremdenliebe und der heutigen Begegnung mit Mensch und Tier vor.

Das im 3. Buch Mose enthaltene Gebot der Nächsten- und Fremdenliebe wird heute als Ausdruck einer universellen und grenzenlosen Einstellung interpretiert, obwohl es im Kontext der hebräischen Bibel und ihrer Sprache klar umrissene, realistische Grenzen aufweist.

Das moderne Verständnis dieses Gebots fördert zudem oft ein asymmetrisches Bild der menschlichen Begegnung: auf der einen Seite Schwäche und Hilfsbedürftigkeit, auf der anderen – Stärke und Hilfsbereitschaft. Im Vortrag werden auch problematische Seiten dieser Einstellung thematisiert.

Jascha Nemtsov