Ma nischtana ha-laila ha-se mi-kol ha-leilot?

„Was unterscheidet diese Nacht von all den anderen Nächten?“ Am Sederabend, dem Abend des Pessachfestes, stellen Kinder diese Frage. Sie macht es möglich, ausführlich von der Rettung des Volkes Israels aus der Knechtschaft unter Pharao zu erzählen und die beständige Hoffnung auf neuerliche Befreiung neu zu beleben.

Ma nischtana ha-jom ha-se mi-kol ha-jamim? Was unterscheidet diesen Tag von all den anderen Tagen? So mag man in diesem Jahr fragen. Denn wir erleben 2019 eine „positive Äquinoktial-Paradoxie“, eine Differenz zwischen dem gregorianischen und dem astronomischen Osterdatum. Sie ist etwa so selten wie eine Sonnenfinsternis. Geschuldet ist sie der Tatsache, dass kirchliche Entscheidungen Vorrang vor denen des Himmels haben. Bei rabbinischen Entscheidungen der Lehrer Israels ist es hinsichtlich des jüdischen Kalenders übrigens nicht anders…

Der Seder-Teller. Oben rechts liegt Seroa, eine angebratene Lammkeule.

Seht, das Lamm Gottes!

Die Anomalie dieses Jahres führt dazu, dass der Sederabend des Jahres 5779 nach jüdischem Kalender mit dem Karfreitag der westlichen (nicht der orthodoxen!) Kirchen des Jahres 2019 zusammenfällt. So etwas geschieht selten. Wer es genauer wissen möchte, greife zur “Gaußschen Pessach-Formel“, die der berühmte Mathematiker 1802 abgeleitet hat… 😉

Die Kalenderanomalie führt gleichzeitig zurück zum Evangelium. Jedenfalls dem nach Johannes. Dort wird ausdrücklich festgehalten, dass Jesus am Vortag des Pessachfestes gekreuzigt wurde: „Es war der Rüsttag für das Pessachfest“ (19,14). Daraus folgt, dass Jesus starb, als die Pessachlämmer im Tempel geschlachtet wurden. Der Evangelist sieht Jesus als das Opferlamm. Damit erfüllt sich, was Johannes der Täufer bereits am Anfang des Evangeliums prophetisch aussprach: „Seht, das Lamm Gottes!“ (1,36) „Es wurde der geopfert, der unser Passalamm ist, Christus“, weiß auch der Apostel Paulus (1Korinther 5,7).

Mit dem Karfreitag begann daher für die frühe Kirche das Passafest der Endzeit. Seine Erfüllung sollte ebenfalls in einer Passanacht geschehen, wenn der Christus in Herrlichkeit kommen wird.

Jüdische Überlieferung erwartet den Befreier vom Ölberg kommend

Nächstes Jahr im wiedererbauten Jerusalem!

Rabbi Akiva zu Beginn des 2. Jahrhunderts war es, der die Hoffnung auf Erfüllung der Erlösung in der Passanacht mit der Wiedererrichtung des nunmehr unzerstörbaren Heiligtums in Jerusalem verband (Mischna Pessachim 10,6). Ihm folgend wünscht man sich am Ende der Sederfeier: „Nächstes Jahr in Jerusalem“. So wird die Hoffnung der Pessach-Haggada erweitert: „Dieses Jahr sind wir Sklaven, nächstes Jahr werden wir frei sein.“

Ein alter Gruß deutscher Juden in den beiden Nächten von Pessach lautete „Bau gut!“ Gemeint war die Bitte an Gott „Bau deinen Tempel schiere (=bald)!“ aus dem Refrain der deutschen Übersetzung des Pessach-Gesangs „adir hu“.

Der Wunsch und die Hoffnung „Bau gut!“ möge uns alle in diesem besonderen Jahr einer Kalenderanomalie unserer gemeinsamen Erlösung näher bringen!

Eine Pessach-Haggada aus Deutschland im Leo-Baeck-Institut

Dieses Jahr in Israel!

Die Hoffnung der Gebete und Lieder richtet sich auf Gottes Vollendung seines begonnenen Werkes. Aber es gibt keinen Grund nicht schon vorher nach Israel und Jerusalem zu reisen! Bereits in diesem Jahr bist Du zur Teilnahme eingeladen:

„Wasser ist Leben“. Israelreise vom 18. bis 28. November 2019

mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen mit Pfarrer i.R. Ricklef Münnich. Alle Informationen, das ausführliche Reiseprogramm und ein Anmeldeblatt für diese außergewöhnliche Israelreise findest Du hier: www.ahavta.com/reisen/wasser-ist-leben/

Und ganz speziell auf die Hoffnung auf Frieden hin ist die folgende Reise gestaltet, zu der Du ebenfalls sehr herzlich eingeladen bist:

„Friedenssehnsucht in Israel“. Israelreise vom 28.11.–8.12.2019

mit Pfarrer i.R. Ulrich Huppenbauer: www.ahavta.com/reisen/israelreise-friedenssehnsucht/

Frohe Ostern & chag pessach sameach!